Im Pausenraum. Auf dem Heimweg. Um 23 Uhr, wenn der Adrenalinspiegel endlich sinkt.

Ich denke viel darüber nach, wenn ich die Fluktuationszahlen des Schweizer Gastgewerbes betrachte. 30% jährlich. Jede dritte Stelle wird jedes Jahr neu besetzt.

Wir sprechen darüber als Marktproblem. Als Generationenproblem. Als Problem des Wettbewerbs mit anderen Branchen. Und während all das bis zu einem gewissen Grad stimmt, glaube ich, dass wir unterschätzen, wie viel von diesen 30% das aufgehäufte Ergebnis kleiner schiefgelaufener Momente ist.

Die Anhäufung die niemand trackt

Die Schicht die zu spät endete ohne Nachgespräch. Die Beschwerde, die vollständig absorbiert wurde ohne Raum, sie abzulegen. Der Sonntag, an dem jemand krank arbeitete, weil es niemanden sonst gab. Die Woche, in der niemand fragte wie es einem geht.

Nicht dramatisch. Nicht missbräuchlich. Einfach unerbittlich.

Und die harte Wahrheit ist, dass keiner dieser Momente in irgendeinem Datensatz auftaucht. Sie erscheinen nicht als Kostenpunkt. Sie lösen keinen Alarm aus. Sie häufen sich still an, bis jemand aufhört zu erscheinen.

"Niemand kündigt an einem guten Dienstag. Sie kündigen nach dem hundertsten kleinen Moment, in dem niemand es bemerkt hat."

Wie Retention wirklich aussieht

Was ich aus der Arbeit mit Gastgewerbeteams gelernt habe: Die Momente, die Menschen halten, sind ebenfalls klein. Ein dreiminütiges Briefing vor dem Service. Eine Führungskraft, die bemerkt und etwas sagt. Eine Schicht, die mit einem Gespräch endet statt einfach mit einer sich schliessenden Tür.

Dafür braucht es kein Programm. Kein Budget. Es braucht Aufmerksamkeit. Und eine Führungskultur, die gelernt hat sie zu schenken.

Das Gastgewerbe hat immer gewusst wie man Momente für Gäste schafft. Es ist Zeit, ein paar davon für die Menschen darin zu schaffen.