Retention Mai 2025 5 Min. Lesezeit

Die ersten 90 Tage — warum Onboarding im Gastgewerbe über Retention entscheidet

Die meisten Kündigungen im Gastgewerbe werden in den ersten 90 Tagen entschieden — nicht am letzten Arbeitstag. Wer das versteht, investiert anders.

Es gibt einen Moment in der Einarbeitungszeit, der über alles entscheidet. Nicht die Vertragsunterzeichnung. Nicht die erste Lohnzahlung. Sondern der erste schwierige Service, bei dem die neue Mitarbeiterin sich fragt: Bin ich hier richtig? Will ich das wirklich?

Was in diesem Moment passiert — ob jemand einspringt, ob sie sich gesehen fühlt, ob sie die nötige Unterstützung bekommt — das entscheidet oft darüber, ob sie ein Jahr bleibt oder drei Wochen.

30%
der neuen Mitarbeitenden im Gastgewerbe verlassen den Betrieb in den ersten 90 Tagen
CHF 4'000
kostet dieser frühe Abgang den Betrieb durchschnittlich

Was in den ersten 90 Tagen schiefläuft

Die häufigsten Fehler im Onboarding sind keine dramatischen Fehlentscheidungen. Es sind Lücken. Momente, in denen niemand hingeschaut hat.

Die 3 häufigsten Onboarding-Fehler 1. Die neue Person wird ins kalte Wasser geworfen — mit zu wenig Struktur, zu viel Erwartung.

2. Das erste schwierige Erlebnis bleibt unkommentiert. Niemand fragt danach wie es war.

3. Lob kommt nie — oder nur in der Probezeit-Beurteilung am Ende. Zu spät.

Was die ersten 90 Tage stattdessen sein könnten

1–7

Woche 1 — Ankern

Eine feste Bezugsperson. Nicht die Führungskraft — eine erfahrene Kollegin. Eine Aufgabe die gelingt. Ein kurzes Gespräch am Ende des ersten Tages: "Wie war das für dich?"

2–4

Woche 2–4 — Wachsen lassen

Schrittweise mehr Verantwortung. Nach jedem schwierigen Service kurz nachfragen. Kleinen Erfolgen bewusst Aufmerksamkeit geben — laut, vor dem Team.

30

Tag 30 — Erstes Gespräch

Nicht Beurteilung. Gespräch. "Was läuft gut? Was ist schwierig? Was brauchst du?" Und dann: zuhören. Nicht lösen — zuhören.

90

Tag 90 — Entscheidung

Zu diesem Zeitpunkt hat die neue Mitarbeiterin innerlich entschieden ob sie bleibt. Wer bis hierhin gut begleitet hat, gewinnt in den meisten Fällen.

Was das mit Wohlbefinden zu tun hat

Gutes Onboarding ist keine HR-Massnahme. Es ist die direkteste Form von Gesundheitsförderung im Gastgewerbe, die ein Betrieb umsetzen kann.

Wer sich von Anfang an gesehen und unterstützt fühlt, baut eine emotionale Bindung zum Betrieb auf. Diese Bindung ist der stärkste Puffer gegen Burnout — weil sie das Gefühl gibt: hier bin ich nicht allein.

Und das kostet nichts ausser Aufmerksamkeit. Und etwas Struktur.

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